Pilotprojekt Gau-Bischofsheim · Umstellung Solarthermie auf PV-Heizstab · Stand 13.09.2026 · mit realen Betriebsdaten
Die bestehende Solarthermieanlage wurde stillgelegt. Ziel war es, den vorhandenen Buderus-Warmwasserspeicher (Logalux SM300/5W, ca. 300 l) künftig direkt mit PV-Überschussstrom aus der neuen 12 kWp-Anlage (Sigenergy Hybrid-Wechselrichter, 10 kWh Batteriespeicher) zu beheizen – ohne die bestehende Buderus GB172-Brennwerttherme zu ersetzen. Sie bleibt als witterungsunabhängiges Backup im Hintergrund aktiv.
Die komplette physische Umsetzung – Speicheröffnung, Reinigung, Austausch von Opferanode, Sicherheitsventil und Thermostatmischer, Heizstab-Montage sowie die gesamte Elektroinstallation – wurde von Adalbert Pojda in Eigenregie durchgeführt. Marcus Kerz (Sanitär/Heizung) und Raphael Pojda/backwind (PV/Sigenergy) standen beratend zur Seite. Es dient als Referenz- und Pilotprojekt für beide Gewerke, da eine solche Kombination aus my-PV-Überschussregelung, Sigenergy-Hybridanlage und bestehender Brennwerttherme bei ihnen bislang noch nicht umgesetzt wurde – und zeigt, dass sich ein solcher Umbau auch komplett in Eigenregie realisieren lässt.
| PV-Anlage | 12 kWp, Sigenergy Hybrid-Wechselrichter 12 kW, Batteriespeicher 10 kWh |
|---|---|
| Warmwasserspeicher | Buderus Logalux SM300/5W, ca. 300 l (Bestand, weiterverwendet) |
| Backup-Wärmeerzeuger | Buderus Logamax plus GB172-14 Brennwertgerät (bleibt aktiv, Solarkreis stillgelegt) |
| Heizstab | Helios Einschraubheizkörper, 230/400 V Drehstrom, 6000 W (3×2000 W), 405 mm lang, Art./OC-Nr. 20261469 / 01014041 |
| Überschussregler | my-PV AC·THOR 9s, stufenlos 0–9 kW, PV-Überschuss- & Sigenergy-gesteuert (Gerät „ACTHOR 9s 1-M1"), Ansteuerung per Modbus TCP (Sigenergy), Regelziel ca. −150 W Netzbezug |
| Temperaturfühler my-PV | 2 Fühler: Fühler 1 unten nahe Heizstab, Fühler 2 oben in der Tauchhülse des Buderus-Fühlers (separat verkabelt) – Grundlage für die Speicherüberwachung „Boiler SoC" in Prozent |
| Elektroinstallation | Eigener Stromkreis, Sicherungsautomat 3×10 A (Hager MBS 310 B10, L1/L2/L3), Verkabelung 1,5 mm² 5-adrig |
| Wartungsarbeiten am Speicher | Handlochdeckel geöffnet, Speicher gereinigt, Opferanode erneuert, Sicherheitsventil getauscht, Thermostatmischer getauscht |
| Thermostatmischer | Temperaturregler am Warmwasserausgang: begrenzt die Auslauftemperatur in der Leitung unabhängig von der Speichertemperatur (z. B. Speicher 90 °C, Ausgang auf 70 °C eingestellt) – ermöglicht Speicherung bei hoher Temperatur (mehr nutzbare Energiemenge, Legionellenschutz) bei gleichzeitig sicherer Zapftemperatur |
Die Sigenergy-Anlage und der my-PV AC·THOR 9s arbeiten mit einer klaren Priorisierung des PV-Überschusses – die Batterie hat Vorrang vor dem Heizstab:
Diese Priorisierung (Batterie vor Heizstab) ist im laufenden Betrieb bestätigt. Am 13.09.2026 bei wechselhaftem Wetter im MySigen-Dashboard nachvollziehbar: Bei 99 % Batteriestand lädt die Batterie noch mit 2,44 kW und der AC·THOR fährt nur ca. 1 kW; bei 100 % nimmt die Batterie nichts mehr auf und der AC·THOR übernimmt über 4 kW. Der Netzbezug bleibt dabei im Bereich weniger hundert Watt (Regelausgleich).
Die Anlage läuft seit dem 30.06.2026. Erste Messwerte aus den ersten zwei Betriebstagen:
Die gemessene Schichtung zeigte, dass ein einzelner my-PV-Fühler nahe am Heizstab eine niedrigere Temperatur meldet als im oberen, nutzbaren Bereich des Speichers vorhanden ist. Mit dem nachgerüsteten zweiten Fühler ist das gelöst – siehe „Speicherüberwachung & Betriebsdaten".
Für eine echte Jahresbilanz fehlen noch Messdaten eines vollen Jahres. Die folgende Abschätzung nutzt daher eine typische monatliche Ertragsverteilung für Süd-Anlagen in Deutschland sowie Annahmen zum Warmwasserbedarf. Alle Zahlen in diesem Abschnitt sind Schätzwerte, keine Messungen – nach einem vollen Betriebsjahr lässt sich das mit echten Werten verfeinern.
12 kWp, Süd, 28° Neigung → geschätzt ca. 1.025 kWh/kWp/Jahr, also ca. 12.300 kWh/Jahr, verteilt nach einer typischen deutschen Süd-Anlagen-Verteilung:
| Monat | Ø PV-Ertrag/Tag (Modell) |
|---|---|
| Januar | ~12 kWh |
| Februar | ~22 kWh |
| März | ~32 kWh |
| April | ~45 kWh |
| Mai | ~52 kWh |
| Juni | ~53 kWh |
| Juli | ~52 kWh (Modell) – tatsächlich gemessen am 02.07.: 59,12 kWh, Modell passt größenordnungsmäßig |
| August | ~48 kWh |
| September | ~37 kWh |
| Oktober | ~24 kWh |
| November | ~16 kWh |
| Dezember | ~12 kWh |
Gemessener Bereitschaftsverlust: ca. 3,5 kWh/Tag (aus ~10 °C Verlust/Tag auf 300 l errechnet – passt zur beobachteten Nachladung von ca. 4 kWh). Zuzüglich angenommener Zapfbedarf von ca. 6 kWh/Tag (grobe Annahme für einen Mehrpersonenhaushalt, bitte an die tatsächliche Nutzung anpassen) → ca. 9,5 kWh/Tag Warmwasserbedarf. Für Hausverbrauch plus Batterieladung wird zusätzlich eine Grundlast von ca. 12 kWh/Tag angenommen (ebenfalls eine grobe Schätzung, nicht gemessen) – erst der PV-Überschuss darüber hinaus steht laut Steuerungslogik (siehe oben) für den Heizstab zur Verfügung.
| Monat | PV-Überschuss für Heizstab (Modell) | Warmwasser gedeckt? |
|---|---|---|
| Januar | ~0 kWh | Nein |
| Februar | ~10 kWh | Knapp/teilweise |
| März | ~20 kWh | Ja |
| April | ~33 kWh | Ja |
| Mai | ~40 kWh | Ja |
| Juni | ~41 kWh | Ja |
| Juli | ~40 kWh | Ja |
| August | ~36 kWh | Ja |
| September | ~25 kWh | Ja |
| Oktober | ~12 kWh | Ja |
| November | ~4 kWh | Nein |
| Dezember | ~0 kWh | Nein |
Antwort auf die Ausgangsfrage: Nach diesem Modell reicht der PV-Überschuss von März bis Oktober (8 Monate) zuverlässig für die komplette Warmwasserbereitung. Februar ist ein Grenzfall (an sonnigen Tagen ja, insgesamt eher knapp). Von November bis Januar (3–4 Monate) bleibt die GB172 als Backup nötig. Mit der alten Solarthermie war laut bisheriger Erfahrung nur der Sommer (ca. Mai–August) gasfrei – die neue, deutlich größere 12-kWp-Anlage mit Überschussladung weitet dieses Fenster also um ca. vier Monate (März, April, September, Oktober) nach vorne und hinten aus.
Wichtig: Diese Rechnung stapelt mehrere Annahmen (Ertragsverteilung, Zapfbedarf, Grundlast, Kesselwirkungsgrad 96 %, Gaspreis) und ist keine Messung. Die tatsächliche Einsparung hängt stark vom individuellen Verbrauch, dem Wetterjahr und dem tatsächlichen Gastarif ab. Nach einem vollen Betriebsjahr mit echten Monatswerten aus my-PV-/MySigen-Dashboard lässt sich das deutlich genauer berechnen.
Am Speicher wurde ein zweiter my-PV-Temperaturfühler nachgerüstet. Mit Fühlern unten und oben berechnet der AC·THOR 9s den Ladezustand des Speichers als Boiler-SoC in Prozent – sichtbar im my-PV-Portal, am Gerätedisplay erscheinen beide Temperaturen (¹ unten, ² oben).
Praktischer Nutzen: Statt nur einer Temperatur am Heizstab ist jetzt auf einen Blick sichtbar, wie viel nutzbare Wärme im Speicher steckt. Der obere Fühler blieb im September auch nach Zapfvorgängen meist bei ca. 48–51 °C, während der untere Fühler bis in den Bereich 25–40 °C abfiel – kaltes Nachspeisewasser sammelt sich unten, oben bleibt nutzbares Warmwasser stehen.
Tageswerte aus den Langzeitstatistiken von Home Assistant (my-PV- und Sigenergy-Integration). Gemessen, nicht geschätzt.
| Zeitraum | PV-Erzeugung | AC·THOR (Warmwasser) |
|---|---|---|
| August 2026 (31 Tage) | ca. 1.674 kWh (∅ 54,0 kWh/Tag, Modell: ~48) | ca. 177,7 kWh (∅ 5,7 kWh/Tag) |
| 01.–12.09.2026 (12 Tage) | ca. 621 kWh (∅ 51,8 kWh/Tag, Modell: ~37) | ca. 71,0 kWh (∅ 5,9 kWh/Tag) |
| Gesamt seit Inbetriebnahme (bis 13.09.) | 7,08 MWh (Zählerstand Wechselrichter) | 278,2 kWh |
Einordnung: Im laufenden Betrieb liegt der Warmwasser-Strombedarf bei rund 6 kWh/Tag – weniger als die Modellannahme von 9,5 kWh/Tag. Der PV-Ertrag lag im August und Anfang September über dem Modell. Beides spricht dafür, dass die Modellrechnung oben eher vorsichtig ist. Am 13.09.2026 (bedeckt, bis mittags ca. 12 kWh PV) regelte die Anlage sauber: Batterie 100 %, AC·THOR mit ca. 3,4 kW aus Überschuss, 0 W Netzbezug.
Hinweis zur Datenbasis: Die Home-Assistant-Statistiken beginnen am 25.07.2026, Juli ist daher nicht vollständig auswertbar. Monatssummen aus Tageswerten gebildet; Rundungsdifferenzen von etwa 1 kWh gegenüber dem Monatszähler des Geräts sind möglich.
Beide Systeme lassen sich live und ortsunabhängig überwachen:
| my-PV Cloud | Live-Überwachung des AC·THOR 9s (beide Temperaturen, Boiler-SoC in %, Heizleistung, PV-Prognose) |
|---|---|
| Home Assistant | Lokale Langzeitstatistik aller Werte von AC·THOR und Sigenergy (Grundlage der Betriebsdaten oben) |
| MySigen App/Dashboard | Zeigt Energieflüsse zwischen PV, Batterie, Haus und Netz sowie den Tagesverlauf der Leistung |
Beispielhafte Tageswerte aus dem Monitoring:
Hinweis: Werte direkt aus dem Dashboard abgelesen (Tagessummen), exakte Definition einzelner Sankey-Flüsse (z. B. Batterie-Lade-/Entladeanteil) nicht im Detail nachvollzogen – bei Bedarf im Dashboard selbst prüfen.